Altar Wassel, 04.05.2018
Foto: Y. Schulz-Wackerbarth

Auf ein Wort

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Genesis 16,13

Portrait Pastor Raphael Below (07.08.2021)
Foto: Alexandra Moegerle

Gedanken zur Jahreslosung 2023

„Der liebe Gott sieht alles!“ Hat man Ihnen das auch erzählt, als sie ein Kind waren? Ich kenne diesen Spruch jedenfalls schon sehr lange. Er wird gern als moralische Keule herangezogen. Kinder lernen: Ich darf nicht abschreiben, denn Gott sieht das. Ich darf nicht stehlen, ich darf nichts kaputt machen, ich darf nicht lügen, ich darf auch sonst nichts tun, was falsch ist: weil Gott seine Augen überall hat. Und früher oder später trifft mich seine gerechte Strafe für das, was ich verbockt habe.
     „Der liebe Gott sieht alles“ – ein Satz, der mein Bild von Gott sehr negativ geprägt hat. Gott ist demnach die unerbittliche moralische Instanz, die jeden noch so kleinen Fehler ahndet. Von Verständnis, von Gnade, von Vergebung keine Spur.
     „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ So lautet die Jahreslosung 2023. Das klingt erst einmal ganz ähnlich! Und wer die Jahreslosung liest, wird sie vermutlich erst einmal in genau diesem Sinne verstehen – und damit vollkommen falsch! Es lohnt sich der Blick in den Kontext. Eine schräge, traurige Geschichte wird da erzählt. Voller Leid, voller Schmerz, voller Verletzungen, die drei Menschen einander zufügen. Die Schwächste von ihnen, eine Sklavin, zum Sex gezwungen, flieht schließlich. Und erlebt, wie Gott ihr nachgeht, ihr Leid sieht und versteht, sie tröstet. Dann spricht sie ihn, diesen Satz: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“
     Was 2023 bringen wird, das weiß noch keiner. Aber die Prognosen machen vielen von uns Sorgen. Wird der Krieg sich weiter ausbreiten? Wie kommen wir mit unserem Gas durch den Winter? Werde ich meine Rechnungen noch bezahlen können, wenn alles teurer wird? Wie wird sich mein gesundheitlicher Zustand verändern?
     In all diesen Fragen, in all diesen Zweifeln, in all dem Schweren, das uns 2023 erwartet, tröstet mich die Jahreslosung. „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Meine düsteren Gedanken, mein Schmerz, meine Verzweiflung, auch meine Schuld, meine geheime Sehnsucht und das, was ich niemandem sonst anvertrauen kann, das sieht Gott. Aber anschließend haut er nicht irgendwem kräftig eins über. Gott sieht, fühlt, versteht und erträgt mit mir. Ich bin gesehen. Ohne dafür schön, überragend, laut oder frei von Schuld sein zu müssen. „Du bist ein Gott, der mich sieht“ – was immer 2023 auch kommen mag.

Ihr Raphael Below

Gemeindebrief Nr. 4 - 2022 | Dezember 2022 bis Februar 2023

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Frühere Beiträge

Neuseeland Suedinsel Kirche Wasser See Meer Altar Kreuz
Foto: © Jens Schulze, EMSZ / Landeskirche Hannovers

Was? Der ist gerettet?

Liebe Leserin und lieber Leser,
„Was? Der ist gerettet!?“ Das ist ein innerer Gedanke, der in dem einen oder der anderen laut werden könnte, wenn man sich anschaut, mit wem man da so die Kirchenbank oder die Kirchenmitgliedschaft teilt. Man könnte meinen, ich lebe besser als einige von diesen Menschen. Warum also sollen diese Menschen genauso gerettet sein wie ich, der doch viel bemühter war, ein gutes Leben zu leben? Dieser Gedanke lässt viele Menschen skeptisch die Stirn runzeln. „Mit diesen Menschen will Gott seine Kirche errichten und seine frohe Botschaft glaubwürdig verbreiten?“
     Die schlechten Eigenschaften von anderen Menschen aber auch von sich selbst sind häufig gegenüber den positiven leicht zu benennen. Manchmal wirkt es geradezu als große Herausforderung, sich und andere einfach mal in einem positiven Licht zu betrachten, ohne das Wörtchen „Aber“ gleichzeitig schon mitschwingen zu lassen. Besonders an einem anderen Menschen kann ich aber auch meine Vorzüge aufzeigen und deutlich zur Schau stellen. Selbstinszenierung und der kritische Blick auf sich selbst und andere sind heute in einer Gesellschaft weit verbreitet, in der die eigenen Fähigkeiten, Vorzüge und ein gesundes Selbstbewusstsein eine immer wichtigere Rolle spielen. Es geht um Leistung, um Werke, um Charaktereigenschaften, die ich leiste und die mich aus der breiten Masse herausheben, genauso wie um einen Vergleich mit anderen Menschen.
     Fast schon zwangsläufig kommt dann die Frage auf: Wie kann jemand auf einer Stufe mit mir stehen, der weniger leistet als ich? Ein Gedanke an meine eigene Unvollkommenheit ist geradezu verboten. Da steht mir eine größere Belohnung zu. Ich muss etwas dafür tun, damit es mir gut geht und damit ich später etwas zurückbekomme. Und es geht auch um Anerkennung. Wie aber sieht es bei Gott aus? Gilt Gleiches auch vor Gott?
     „Mit diesen Menschen will Gott seine Kirche errichten und seine frohe Botschaft glaubwürdig verbreiten?“ Paulus antwortet auf all diese Fragen mit einem Wort aus Epheser 2,8-9: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“
     Nicht unsere Taten und Werke sind es, die uns vor Gott qualifizieren, sondern der Glaube ist es. Aus dem Glauben heraus kommen wir zum ewigen Leben, werden von Gott angenommen und davon ist keiner ausgeschlossen. Und ja: Dementsprechend sind es genau diese Menschen neben mir auf der Kirchenbank oder mit der Kirchenmitgliedschaft, die Gottes Kirche mit mir zusammen aufbauen. Und ja: Diesen Menschen stehen die Türen bei Gott ebenfalls offen, wenn es in der Jahreslosung heißt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Denn Gott schaut nicht auf das Äußere. Auf das, was wir sehen und hören. Sondern Gott schaut ganz tief in unser Herz. Gott ist einer, der uns annimmt, wie wir sind mit all unseren Makeln und Vorzügen. Wir müssen nicht perfekt sein und sind es auch nicht. Gott liebt uns trotzdem. Entscheidend ist nur unser Glaube. Diese Erkenntnis, die auf den ersten Blick ernüchternd wirkt, kann mich bei ehrlichem Hinsehen aber selbst entlasten: Nur weil Gott mit Vorliebe schwache, unvollkommene und nicht perfekte Menschen wie dich und mich mit der Verbreitung der Botschaft beauftragt, darf auch ich mich mit meinen Grenzen und Makeln als Teil der Gemeinde von Jesus Christus betrachten und meinen Teil zur Gestaltung kirchlichen Lebens und zur Verbreitung der Botschaft leisten.

Ihr Jan-Hendrik Eggers

Gemeindebrief Nr. 3 - 2022 | September 2022 bis November 2022

GB 2-2022 (Seite 1) Friede soll mit Euch sein
Foto: Jens Schulte EMSZ (Landeskirche Hannovers)

Jetzt erst recht – Festhalten an biblischer Hoffnung

Unfriede herrscht auf der Erde, Kriege und Streit bei den Völkern. So beginnt ein Lied, das die polnische Musik- und Psychologieprofessorin Zofia Konaszkiewicz vor über 50 Jahren getextet und komponiert hat. Kriege und Streit bei den Völkern, das war immer so weit weg. Und nun – mitten in Europa. Dieser unsinnige Krieg in der Ukraine mit so viel Leid, unvorstellbarer Brutalität. Fassungslosigkeit. Wut. Entsetzen. Ohnmacht. Angst. All das bestimmt jetzt unseren Alltag. Und wieviel mehr den Alltag derjenigen, die auf der Flucht sind, in Sorge um ihre Familienangehörigen, die eingekesselt sind, denen die Fluchtkorridore versperrt bleiben, die in Trümmern ausharren ohne Wasser, ohne Strom, die sich mutig dem Wahnsinn entgegensetzen und ihr Land und ihre Werte verteidigen.
     Mit wem ich in diesen Tagen auch ins Gespräch komme, wir landen oft mit unseren Gedanken beim Krieg. Sie kommen uns beim Anblick der Bilder in den verschiedenen Medien, beim Lesen von Artikeln, beim Verfolgen von Gesprächen und Interviews im Fernsehen.
     „Schrecklich“, sagt eine Dame im Altenheim. „Wie damals bei uns. Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Erinnerungen noch einmal so einholen werden.“ Bei vielen älteren Menschen ist auf einmal wieder präsent, was sie selber einmal erlebt haben. „Lasst uns ein Zeichen setzen. Eine Stunde für den Frieden. Gemeinsam beten für den Frieden. Wir müssen doch was dagegen halten.“ Es tut gut. Diese eine Stunde für den Frieden. Quer durch die Generationen spüre ich: Ich bin mit meinem Empfinden nicht allein. „Das bringt doch nichts, für den Frieden zu beten“, meint eine Konfirmandin. „Als wenn wir durch unser Beten die Bomben aufhalten könnten.“ Nein, das können wir wohl nicht. Aber mit dem gemeinsamen Beten finden wir ein Ventil für all das Unvorstellbare, für unsere Ohnmacht, unsere Angst, unsere Sehnsucht nach Frieden. Im Beten drücken wir aus, dass wir uns an die Bilder nicht gewöhnen wollen, dass wir die Hoffnung auf Frieden und Vernunft nicht aufgeben. Im Beten bekommen wir Kraft, nicht aufzugeben, uns für den Frieden einzusetzen.
     Friede soll mit euch sein, Friede für alle Zeit.
So beginnt der Refrain des Liedes von Zofia Konaszkiewicz, und er beschreibt Sehnsucht und Verheißung zugleich. Nicht so, wie ihn die Welt euch gibt, Gott selber wird es sein. Mit dem Ende des Refrains nimmt sie ein Wort aus dem Johannesevangelium auf: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. (Joh 14,27).
Da ist von einem ganz anderen Frieden die Rede, einem, der nicht durch Diplomatie, nicht durch Sanktionen und schon gar nicht durch den Einsatz von Waffen erreicht werden kann. Friede, der von Gott kommt. Hören wir nicht auf, um diesen Frieden zu bitten, der unsere Herzen erfüllt, der uns stark macht zum Aushalten, zum Widerstehen, zum Handeln.

Ihre Pastorin Annegret Austen

Gemeindebrief Nr. 2 - 2022 | Juni 2022 bis August 2022

bemalter Stein: Hallo liebe Grüße
Foto: Annegret Austen

Hör auf deine Ärzte

„Die Ärzte“ behaupten: Wir sind die beste Band der Welt. Für solche Aussagen liebe ich Farin Urlaub, Bela B und Rodrigo González. Klar und deutlich sind ihre Texte. Streitbar und direkt. Unbequem, absurd und durchgeknallt. Manchmal super witzig. Und manchmal auch zutiefst treffend. So auch der Text des Songs „Kraft“, der im September letzten Jahres als Teil des Albums „Noise“ erschien und irgendwann auch den Weg in mein Ohr gefunden hat. In „Kraft“ dreht sich alles um Worte. Und das, was sie auslösen können.

Worte bringen dich zum Lachen,
Worte bringen dich zum Weinen
Worte treiben dich zur Weißglut,
Worte bringen dich zum Schreien
Transportieren Informationen, Emotionen,
Trost und Hass
Lassen Herzen schneller schlagen,
machen Feinde, machen Spaß (...)
Denn Worte haben Kraft

Ich kann das nur aus vollem Herzen bestätigen. Worte sind mit das Schönste, was ich in meinem Leben hören und erleben durfte. Der tröstende Satz eines Freundes, als ich mal am Ende war. Das selbst formulierte Traubekenntnis meiner Frau am Tag unserer Hochzeit, unser „Ja-Wort“ zueinander. Das erste „Papa“ meiner Tochter Alma. Auch ganz einfache Worte können wunderschön sein. Und eine Fülle an Gefühlen in uns auslösen. Allerdings auch solche, die man vielleicht gar nicht haben will:

Worte können weh tun,
sie sind schnell und schonungslos
Lassen dir keinen Ausweg,
führen dich vor und stellen dich bloß (…)
Sie beginnen und beenden Kriege
und Revolutionen (…)
Sie sind Waffen, sie sind Balsam,
sie sind manchmal rätselhaft (…)
Worte haben Kraft

Worte sind mächtig. Sie können etwas ins Leben rufen. Denken Sie an den ersten Satz des Johannes-Evangeliums: „Am Anfang war das Wort.“. Sie können erschaffen und zerstören, trösten und verletzen, Krieg auslösen und Frieden stiften. Mit „Kraft“ erinnern mich Die Ärzte: Achte auf deine Worte! Geh vorsichtig mit ihnen um! Worte haben Kraft! Das nehme ich mir vor: Aufzupassen, was ich sage und schreibe. Und mit meinen Worten möglichst Gutes hervorzubringen. Ganz im Sinne von Sprüche 10,11:
Wer Gott dient, dessen Worte sind eine Quelle des Lebens.

Ihr Pastor Raphael Below

Gemeindebrief Nr. 1 - 2022 | März 2022 bis Mai 2022

GB4-2021 Auf ein Wort: Spruch vor Michaeliskloster
Foto: Landeskirche Hannover MIchaeliskloster

Die Jahreslosung 2022 als Motto für ein neues Jahrzehnt

Wir feiern in diesem Jahr unser zehn-jähriges Jubiläum: 10 Jahre Zwölf-Apostel Sarstedt-Land. An solchen Meilensteinen hält man für gewöhnlich inne, blickt zurück und evaluiert: Was war gut, was nicht so gut? Wo gab es Probleme? Was ist gelungen? Da gibt es viel was man sagen könnte. Ein Aspekt ist mir aber besonders wichtig: Ich hoffe, dass es uns in den letzten Jahren gelungen ist, einladend und offen zu sein – offen für die Probleme, Sorgen und Nöte von Menschen, aber auch offen für den Input, die Kritik und die Ideen, die an uns herangetragen worden sind. Ich hoffe, dass sich keiner abgewiesen gefühlt hat.
     Wenn wir das nicht geschafft haben, dann müssen wir daran arbeiten. Dann sollte das unser Projekt, unsere Zielsetzung für die nächsten 10 Jahre sein: Wir wollen da sein für Euch, für Sie, für die Menschen, die etwas mit uns zu tun haben wollen, für alle, die nach Gott suchen und Kirche zu einem Teil ihres Lebens machen möchten. Ich hoffe, dass wir das das vermitteln konnten: Ihr seid bei uns willkommen!
     Ich glaube nämlich, dass das unser Auftrag ist als Nachfolger und Nachfolgerinnen Jesu. Jesus hat keinen abgewiesen. Er war zwar durchaus auch streng. Wenn es drauf ankam, hat er kein Blatt vor den Mund genommen. Ja, er hat auch Menschen zurechtgewiesen. Und das mag manch einer als abweisend empfunden haben. Aber Jesus hat zugleich immer deutlich gemacht, dass Kritik und Tadel mit der Bereitschaft zur Vergebung, mit der Möglichkeit zum Neuanfang und vor allem mit ganz viel Nächstenliebe einher gehen muss. Es gibt immer ein Zurück. Jesu Erzählung von dem „Verlorenen Sohn“ bringt diese Botschaft auf den Punkt: Wer umkehrt, sich Gott wieder zuwendet, Gott um An- und Aufnahme bittet, der wird mit offenen Armen empfangen, der wird niemals zurückgewiesen.
     Und das ist unser Vorbild, das Ideal, an dem wir uns abarbeiten. Diesem hohen Anspruch werden wir natürlich nicht immer gerecht werden. Es werden Menschen sicherlich immer wieder das Gefühl haben, zurückgewiesen zu werden – vielleicht, weil man nicht genug Zeit hat, vielleicht weil eine Idee zu schroff abgelehnt wird, vielleicht weil doch nicht richtig zugehört wird, vielleicht weil Missverständnisse entstehen oder schlicht, weil Kraft, Kapazitäten und Ressourcen fehlen.
     Der Anspruch ist hoch. Es ist ja auch ein göttlicher Anspruch, ein heiliges Ideal: Keinen zurückweisen – wer schafft das schon? Wir sind weder Jesus, noch sind wir Gott und so werden wir gewiss immer wieder an diesem Anspruch scheitern. Das bedeutet aber nicht, dass wir das hehre Ziel, das göttliche Ideal aus den Augen verlieren sollten. Warum gleich aufgeben, nur weil ein Ziel nicht zu 100 % umsetzbar oder absolut realistisch ist?
     Wir wollen uns auch weiterhin bemühen, einladend und offen zu sein. Wir: Hauptamtliche, Ehrenamtliche, Mitglieder, Förderer und Unterstützer, wir als Kirchengemeinde, wir wollen nicht abweisen, sondern da sein und willkommen heißen, damit Menschen erfahren können, dass wir an einen Gott glauben, der sie niemals abweisen wird. Wer zu Gott kommt, den wird Gott nicht zurückweisen. Das ist eine wichtige Botschaft, eine Botschaft, die Trost spendet und Mut macht, eine Botschaft, die wir aber nur weitergeben können, wenn auch wir Menschen nicht abweisen.

In diesem Sinne, auf ins nächste Jahrzehnt!
     Herzlich, Ihr Pastor Schulz-Wackerbarth

Gemeindebrief Nr. 4 - 2021 | Dezember 2021 bis Februar 2022

Portrait Jan-Hendrik Eggers 10.09.2019
Foto: Jan-Hendrick Eggers

Erinnerungen an einen schönen Traum

„Ich bin hier“, sagt Gott zu mir, als wir in der Provence sitzen und in den Sonnenuntergang schauen. Wir befinden uns auf einer weiten, sanft ansteigenden Ebene mit Lavendelfeldern, soweit das Auge reicht. „Wie wunderbar ist das, was hier blüht und gedeiht!“, sage ich zu Gott. Überall summen die Hummeln und Bienen. Es scheint, als hätten sie sich am Nektar satt getrunken und führen ein Freudentänzchen in der Luft auf. Der Lavendel verströmt eine intensive mediterrane Note. Vor uns sehen wir ein Häuschen. In der Ferne sind bereits im Schleier der untergehenden Sonne die Alpen zu erahnen. Ein Idyll.
     Das Häuschen besitzt eine Fassade aus Bimsstein. An der Fassade klettert Wein empor. Die Trauben sind bereits reif. Ich greife nach einer und sie entfaltet sogleich ihren süß-sauren Geschmack in meinem Mund. Im Garten steht eine Zypresse. Wir hören ein intensives Zirpen im Gleichklang. Zikaden. In den Beeten verströmen Kräuter eine herzhafte Note. Auf der Terrasse reckt ein Oleander voller erdbeerroter Blüten seine Äste gen Himmel. Fast als möchte er sagen: „Danke Gott, dass du mich geschaffen hast.“ An der Hausfassade steht ein Tontopf: Eine Zitruspflanze mit knallgelben Zitronen wächst in ihm. Längst ist sein Geäst über die Grenzen des Topfes hinausgewuchert. Ich kann nicht anders: Ich beiße in eine dieser Früchte und bin überrascht über den kräftigen süß-sauren Geschmack. Wieder nehme ich den intensiven Duft des Lavendels wahr und vergesse im Genuss dieser Atmosphäre fast Gott. „Ich bin noch hier!“, höre ich Gott neben mir sagen. Ich merke, dass ich ihm dankbar bin, dass er da ist und ich das, was ich gerade wahrnehme, und auch das, was sich vor uns auftut, mit ihm teilen kann. „Danke, dass du mich täglich mit dem Duft des Lavendels und solch einer atemberaubenden Kulisse so beschenkst.“ Gott aber sieht, dass es gut ist, was er geschaffen hat.
     Ich wünsche Ihnen immer wieder Momente, in denen Sie mit Gott ins Gespräch kommen und Sie Dankbarkeit für seine Schöpfung empfinden.

Ihr Jan-Hendrik Eggers

Gemeindebrief Nr. 3 - 2021 | September 2021 bis November 2021

Zeit für das „G“-Wort

Ich kann das „C“-Wort nicht mehr hören. Ich möchte mal nicht darauf zu sprechen kommen. Leider ist das ja zurzeit nahezu unmöglich. Es beschäftigt uns täglich, es dominiert die Nachrichten, und selbst jetzt – beim Versuch, das Wort zu vermeiden – ist das Thema wieder auf dem Tisch. Klar: Es wäre verantwortungslos, den Kopf in den Sand zu stecken und so zu tun, als gäbe es das alles nicht und gehe mich nichts an. Selbstverständlich müssen wir Zeit investieren, um darüber zu sprechen und uns Gedanken zu machen. Es gibt aber Dinge, die noch wichtiger sind als das „C“- Wort, Dinge, die dem „C“-Wort seine Macht über uns nehmen können und für die wir uns also unbedingt auch Zeit nehmen sollten.
     Wenn auch Sie das „C“-Wort nicht mehr hören können, dann schlage ich vor, dass wir erst mal etwas anderes hören: eine schöne Bach- Kantate zum Beispiel. Das ist nicht jedermanns Sache, ich weiß. Aber als großer Fan des Komponisten kann ich nur von dem schwärmen, was mir selbst unter die Haut geht. Eine seiner Kantaten möchte ich Ihnen heute besonders ans Herz legen: „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ (BWV 106) – eine wunderschöne Komposition, wie ich finde. Vermutlich die erste Kantate, die der große Johann Sebastian Bach zu Papier gebracht hat. 22 Jahre war er erst alt, als er dieses Werk schrieb – ein echtes Genie eben!
     Die Thematik der Kantate ist, zugegeben, etwas düster: Als HörerInnen werden wir dazu aufgefordert, im Bewusstsein unserer Endlichkeit zu leben: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ ist eine der zentralen Aussagen der Kantate. Unsere Zeit auf dieser Erde ist begrenzt. „Macht also etwas daraus(!)“, lautet der indirekte Appell. Aber was? Was ist sinnvoll gelebte, „klug“ gestaltete Zeit?
     Der Autor der Kantate schlägt vor: Lebt euer Leben auf Gott hin. Denn Gott ist unsere Zukunft. Das was kommt, dass ist abhängig von Gott allein: „In deine Hände befehle ich meinen Geist“, singt der Alt vertrauensvoll und rezitiert dabei die berühmten Worte aus Psalm 31, die auch Jesus am Kreuz gebetet hat. Gelebte Zeit ist sinnvoll, wenn sie auf Gott ausgerichtet ist und auf Gottes Zukunft vertraut¸ denn Gottes Zeit ist die Ewigkeit, Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit – so der eine zentrale Gedanke der Kantate.
     Der andere Gedanke wird gleich zu Beginn vom Chor gesungen: In Gott „leben, weben und sind wir“. Gott ist nicht nur unsere Zukunft. Gott ist auch unsere Gegenwart. Gott durchdringt alles. Gott steckt in allem drin. Unser Sein ist jetzt schon von Gott durchwoben. Dieser Gedanke stammt aus der Apostelgeschichte und ist zugleich der Monatsspruch für Juli 2021:
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        „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
         Denn in ihm leben, weben und sind wir“

                                                              (Apg 17,27f.)

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     Mich berührt und animiert diese Aussage sehr. Was für eine Vorstellung! Ich bin mit Gott verwoben. Mein Sein ist mit Gott in einer so engen Beziehung, dass ich „in ihm lebe“ und „in ihm bin“! Gott ist nicht „dort oben“, irgendwo in einem fernen Himmel und schaut auf mich herunter, „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns“. Nein, Gott ist mir so nahe, dass mein eigenes Sein nicht von Gottes Sein zu trennen ist. Was also ist sinnvoll gelebte Zeit? Zeit, in der ich bewusst in dieser Realität lebe! Zeit, in der ich diese Gottesbeziehung entdecke, entfalte und pflege. Gottes Zeit, Zeit mit Gott, ist die allerbeste Zeit.
      Das „C“-Wort dominiert unsere derzeitigen Diskurse und ist vorerst auch nicht wegzudenken. Mächtiger und weitaus bedeutender ist aber das „G“-Wort. Denn das „C“-Wort mag zwar in dieser Welt sein, es mag in unseren Köpfen herumschwirren, unsere Tagesabläufe diktieren und sogar unsere Körper befallen, aber nur Gott, das große „G“-Wort, ist in allem und wir in ihm, denn nur in ihm „leben, weben und sind wir“ – wer das erkennt und sich dafür Zeit nimmt, der lebt zu jeder Zeit in Gottes Zeit, der allerbesten Zeit – besonders wenn dazu die Musik Johann Sebastian Bachs erklingt!

Ihr Pastor Yorick Schulz-Wackerbarth

Gemeindebrief Nr. 2 - 2021 | Juni 2021 bis August 2021

GB1-2021 Seite 3: Kreuz mit "So viel Du brauchst / Glaube / Hoffnunf / Liebe"
Foto: Inna Rempel

Gedanken in der Fastenzeit

Wenn dieser Gemeindebrief erscheint, hat gerade die Passionszeit begonnen. Fastenzeit werden diese Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag auch genannt.
     Verschiedene Aktionen der Kirchen wie das Klimafasten unter dem Motto „So viel du brauchst“ oder die Fastenaktion der evangelischen Kirche für 2021 unter dem Motto „Sieben Wochen ohne Blockaden“, wollen uns in dieser Zeit motivieren, uns auf das Wesentliche zu besinnen. Da wird uns vorgeschlagen, auf lieb gewordene Aktivitäten im Alltag zu verzichten, uns in unserem Konsum einzuschränken, Alltagsgewohnheiten zu überdenken, Nahrungsmittel zu fasten, unseren Verbrauch an Energie, Wasser und Plastik einzuschränken, bewusster die Zeit zu füllen und noch vieles mehr, um den Wert des Eigentlichen wieder neu zu entdecken.
     Ganz ehrlich? Vom Verzichten habe ich nach den vielen Einschränkungen während der Corona-Pandemie eigentlich die Nase voll. Auf was mussten wir in diesen vielen Monaten nicht schon alles verzichten. Auf Kontakte, auf Reisen, auf Umarmungen, auf’s Singen, auf Kultur und Restaurantbesuche und auch auf das Feiern von Gottesdiensten. Und das nicht nur in sieben Wochen. Nicht als freiwillige Übung während einer bestimmten Zeit im Kirchenjahr, sondern notgedrungen wurde mir vor Augen geführt, was wirklich wichtig ist, was es zu schützen gilt, wofür es sich lohnt, Verzicht zu leisten. Und nun, wo wir alle wieder sehnsüchtig darauf warten, dass Normalität in unseren Alltag einkehrt und vieles wieder möglich sein wird, worauf wir solange verzichten mussten, soll ich mich erneut gezielt einschränken, sieben Wochen lang?
     Vielleicht sollten wir diese Aktionen in der Fastenzeit als Chance begreifen, unsere Erfahrungen und Erkenntnisse der Coronazeit, die uns vor Augen geführt haben, was wir wirklich brauchen, noch tiefer in unser Bewusstsein dringen zu lassen.
     Dabei fällt mir der bekannte Vers aus dem Hohelied der Liebe aus 1. Korinther 13 ein:
     Nun aber bleiben
     Glaube, Hoffnung, Liebe,
     diese drei; aber die Liebe
     ist die größte unter ihnen.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto bewusster wird mir, wie sehr ich das alles brauche, gerade auch in Zeiten, in denen ich mir Sorgen mache, in denen ich mich einschränken muss, in denen ich nicht weiß, was kommen wird. Ich brauche den Glauben an Gott, der mich durch dunkle Täler führt, der mir Kraft verleiht, dem ich meine Sorgen anvertrauen kann. Ich brauche die Hoffnung, dass das Leben weitergeht, dass sich neue Wege auftun, dass gemeinsam einiges zu bewirken ist. Ich brauche Liebe, die meiner Seele gut tut, die ich andere spüren lassen kann, die der Nährboden für Glück und Zufriedenheit ist. „Das Schönste aber hier auf Erden ist lieben und geliebt zu werden.“ Wer sich von Gott und den Menschen, die ihm nahe sind, geliebt fühlt, ist in der Lage, Verzicht zu leisten und sich einzuschränken. Er bekommt die Kraft, auch weiterzugeben, was andere brauchen an Zuwendung und Liebe, an Hoffnung und Mut, an Glauben und Zuversicht.
     Dass Sie Glaube, Hoffnung und Liebe bekommen, soviel Sie brauchen, wünsche ich Ihnen von Herzen, nicht nur in den nächsten sieben Wochen.

Ihre Pastorin Annegret Austen

Gemeindebrief Nr. 1 - 2021 | März 2021 bis Mai 2021

Blick Jesus Krippe Stillleben
Foto: urk_fentjer, www.foto-vom-fehn.de/index.php?/page/impressum

Auch Weihnachten wird dieses Jahr anders werden

„Ich muss zur Weihnacht in Bethlehem sein,
sonst wird mir mein Herze nicht froh,
ich muss zwischen Hirten und Engelein knien,
im Stalle auf Heu und auf Stroh.“

 Dieses alte Weihnachtslied habe ich früher oft mit meiner Familie gesungen. Und wie der unbekannte Autor dieses Stücks, der Weihnachten (zumindest im Kopf) unbedingt in Bethlehem verbringen möchte, fand auch ich: Weihnachten – das sollte möglichst jedes Jahr gleich sein.
       Adventszeit und Festtage folgten bei uns einem immer gleichen Ablauf: Unser Haus wurde geschmückt, der Herrnhuter Stern mühevoll zusammengesetzt und über dem Spinett aufgehängt. An die Fenster kamen Sterne, die wir aus Transparent-Papier gebastelt hatten. Mein Vater baute aus einer alten Baumwurzel, Tannenzweigen und vier dicken Kerzen einen riesigen Adventskranz. Es wurden Plätzchen gebacken, Marzipan-Kartoffeln und Domino-Steine gegessen. Heiligabend schlossen meine Eltern dann das Wohnzimmer ab, stellten den Tannenbaum auf und schmückten ihn. Um 18 Uhr gingen wir alle zusammen in den Gottesdienst in die Kirche. Und wenn mein Vater, der übrigens auch Pastor ist, endlich damit durch und alle wieder zuhause waren, versammelten wir Kinder uns vor der Wohnzimmertür und warteten voller Aufregung darauf, dass das kleine goldene Glöckchen erklingt, wir durch die Tür stürzen und den Weihnachtsbaum bestaunen durften. Was haben wir jedes Mal geguckt und gestaunt! Weihnachtslieder wie das oben genannte wurden gesungen. Und schließlich gab es unser traditionelles Heiligabend- Essen: Königinnen-Pastete. Für die Geschenke mussten wir uns noch einen Tag gedulden: Die gab es bei uns immer erst am 1. Weihnachtstag. All das wiederholte sich Jahr für Jahr. Und ich liebte das! Weihnachten war und ist für mich ein Fest, das zutiefst ritualisiert begangen wird. Und an meinen liebgewonnenen Traditionen soll möglichst nicht gerüttelt werden. Dieses Jahr tut Corona aber genau das: Weihnachten kräftig durchrütteln. Gottesdienste werden (hoffentlich) stattfinden, aber anders als sonst (mehr dazu lesen Sie auf Seite 20). Dazu die Auflagen des Landes, die wohl auch das Feiern im Familienkreis betreffen werden.
       Kein Zweifel: Weihnachten wird dieses Jahr anders werden. Für die einen wird das eine willkommene Abwechslung vom immer gleichen Trott. Für die anderen ein schmerzlicher Verlust. Wenn Sie zur zweiten Gruppe gehören: Trösten Sie sich! Sie sind in guter Gesellschaft. Auch Maria und Josef haben sich das Ereignis der Geburt ihres Kindes mit Sicherheit ganz anders vorgestellt. Damals lief so ziemlich alles anders als geplant. Weihnachten wurde es trotzdem. Gott kam auf die Welt. Mitten im Chaos ist damals ein Licht aufgegangen, das bis heute scheint. Und es scheint auch für maskierte Menschen, die nicht singen dürfen und Abstand zueinander halten müssen. Vielleicht gerade für die, und dann vielleicht besonders hell. Dass Sie das in dieser Weihnachtszeit erleben, das wünsche ich Ihnen!

 Ihr Pastor Raphael Below

Gemeindebrief Nr. 4 - 2020 | Dezember 2020 bis Februar 2021

Kirche mit Mund-Nase-Schutz (Corona) / GB 3-2020 Titelfoto
Foto: Annegret Austen, Bildbearbeitung Gemeindebriefredaktion

Ein prophetisches Wort
für unsere Zeit

2020 entwickelt sich immer mehr zu einem Jahr, das seinesgleichen sucht. Wer hätte noch Anfang dieses Jahres gedacht, dass uns dieses Virus so lange in seinem Bann hält? Hätten wir uns überhaupt vorstellen können, dass sich die lokalen Epidemien zu einer weltweiten Pandemie ausweiten? Und nun stecken wir nach Monaten immer noch mittendrin in diesem „Ausnahmezustand“, der so langsam zum Normalzustand wird. Zwar sind bei uns und in einigen anderen Ländern die Zahlen inzwischen zurückgegangen, dafür steigen sie in anderen Teilen der Welt gefährlich an. Und wer weiß, ob nicht auch an unsere Ufer erneute „Wellen“ brechen.
      Diese Zeiten stellen uns auf die Probe: Für junge Familien war es schwer, als Schulen und Kitas geschlossen wurden und sich auf einmal alles nur noch zuhause abspielte. Viele Senioren waren einsam und durften das Haus nicht verlassen. Berufstätige mussten ihren Arbeitsbereich teils völlig neu organisieren, ganze Berufsfelder durften gar nicht praktiziert werden, und im schlimmsten Fall sind Stellen sogar gestrichen worden. Wir durften unsere Lieben in den Krankenhäusern und Pflegeheimen nicht besuchen. Viele Termine, auf die wir uns gefreut hatten, fielen ins Wasser: Urlaube, Feste und Feiern fanden nur im Kleinen oder gar nicht statt. Und trotz aller Schutzmaßnahmen haben sich zahlreiche Menschen infiziert. Es gab viel zu viele Todesfälle, und selbst bei den Genesenen sind mögliche gesundheitliche Langzeitfolgen von Corona noch nicht absehbar.
      Wir alle haben diese Zeiten zwar anders erlebt und auch die Schicksale wogen unterschiedlich schwer. Uns alle aber verbindet ein sehnlicher Wunsch: Corona soll endlich verschwinden!
      Wir wollen wieder zurück zu den Zeiten, als wir uns noch unbeschwert die Hand zur Begrüßung gegeben haben. Wir wollen uns wieder in den Arm nehmen können, ohne gleich das Schlimmste zu befürchten. Wir wollen uns treffen und besuchen können, wir wollen zusammen arbeiten und feiern, und zwar ohne Gesichtsmaske, ohne Abstand und vor allem ohne die ständige Sorge, dass nur ein einziger der Anwesenden – denn ein einziger würde ja genügen – etwa doch ein Überträger dieser unsichtbaren Gefahr sein könnte.
      Das alles ist zermürbend. Das alles frustriert. 2020 hat uns viele Sorgen und leidvolle Erfahrung gebracht. Und sicher ist in den letzten Monaten auch manche Träne der Verzweiflung geflossen.
      Der Monatsspruch für den November dieses Corona-Jahres ist bereits vor über 3 Jahren festgelegt worden:
   „Gott spricht: Sie werden weinend kommen,
   aber ich will sie trösten und leiten“ (Jeremia 31,9)
      Worte eines Propheten – prophetische Worte, nicht nur für die Zeit des Jeremia, sondern auch für uns heute, in der Situation, in der wir uns befinden. Trost und Leitung in diesen schwierigen Zeiten. Wer sehnt sich nicht danach? Ein großes Versprechen und eine wunderschöne Hoffnung! Aber können wir uns darauf verlassen?
      Ich möchte Ihnen Mut machen, diesen Worten zu vertrauen. Ich habe vor einigen Ausgaben über den Glauben geschrieben, der Berge versetzt. Man könnte hier aber auch das Wort „Vertrauen“ einsetzen. Gottvertrauen versetzt Berge. Gottvertrauen ändert alles. Gottvertrauen stärkt von innen, richtet den Blick auf, macht Mut und schenkt Zuversicht: das Vertrauen darauf, dass wir nicht alleine sind, dass wir nicht verloren sind, dass nicht alles den Bach hinunter geht, sondern dass da immer noch eine tiefere Dimension ist, die trägt, die erhält und erhellt. Eine Kraft, über die wir zwar nur in Bildern sprechen können, die Menschen aber immer wieder erfahren.
      Dietrich Bonhoeffer hat in seinem bekannten Gedicht, das später von inzwischen über 70 Komponisten vertont worden ist, von den „guten Mächten“ gesprochen, von denen er sich „wunderbar geborgen“, füllte. Er selbst hat diese Erfahrung gemacht, und zwar in tiefster Not, in völliger Finsternis: in Gestapohaft, als er auf seine Hinrichtung wartete. In dieser aussichtslosen Situation fühlte er sich „behütet und getröstet wunderbar“ und schrieb: „Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Ist das nicht ein bewegendes Zeugnis – ein Gottvertrauen, das offensichtlich nicht enttäuscht, sondern ganz im Gegenteil, erfüllt worden ist?
      „Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten“ – für Dietrich Bonhoeffer ist dieses prophetische Wort in Erfüllung gegangen. Und er ist bei weitem nicht der einzige, der solche Glaubenserfahrungen gemacht hat. Das Wort des Propheten Jeremia gilt auch uns. Auch wir können und werden solche Erfahrungen machen, und in diesem Vertrauen „erwarte ich getrost, was kommen mag“.

Ihr Pastor Yorick Schulz-Wackerbarth

Gemeindebrief Nr. 3 - 2020 | September bis November 2020

Offene Kirchentuer GB2-2020_AAusten
Foto: Annegret Austen

Gewissheit in ungewissen Zeiten

Der Redaktionsschluss für diese Ausgabe des Gemeindebriefs fällt in die Zeit, in der wir alle aufgerufen sind, zu Hause zu bleiben, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Gegenwärtig ist nicht absehbar, wie sich die Lage weiterentwickelt, was wieder erlaubt sein wird, wo es weiterhin Einschränkungen geben wird.
       Im Juni halten Sie diesen Gemeindebrief in der Hand. Eigentlich wollte ich in diesem „Auf ein Wort“ über die Zeit im Sommer nachdenken, die uns zum Kraftschöpfen und Auftanken einlädt. Urlaubszeit. Reisen. Aber ob wir dann, wenn dieser Gemeindebrief erscheint, wieder so halbwegs unserem Alltag nachgehen können? Oder werden unsere Sozialkontakte immer noch auf ein Minimum beschränkt sein? Wird es überhaupt schon möglich sein, in den Ferien zu verreisen? Wobei diese Einnahmequelle für die Beschäftigten in der Tourismusbranche doch so wichtig wäre, nachdem schon das Ostergeschäft ausgeblieben ist. Ungewissheit überall.
       Auch wir als Kirchengemeinde müssen improvisieren, immer einen Plan B in der Tasche haben, falls es neue Auflagen gibt, falls wir weiterhin unsere Kirchen und Gemeindehäuser geschlossen halten müssen. Sie werden in diesem Gemeindebrief davon lesen können, welche Aktionen wir gestartet haben, um in dieser Zeit, in der uns die Corona- Krise alle ausgebremst hat, mit Ihnen in Kontakt zu bleiben. Unsere Homepage hat sich als gutes Medium erwiesen, mit dem wir schnell informieren können, auf dem wir Texte und Videoandachten für Sie eingestellt haben, um so in Verbindung zu bleiben, wenn sich das Leben vorwiegend in den eigenen vier Wänden abspielen muss. Aber wie viele Gemeindeglieder nutzen dieses Medium? Ungewissheit überall.
       In dieser Ungewissheit tut es immer wieder gut, sich darauf zu besinnen, dass wir auf diesem Weg in die ungewisse Zeit von Gott begleitet werden.
„Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!“ (Josua 1,9)
Ich bin bei dir, was immer du erlebst. Du kannst mir anvertrauen, was immer dich ängstigt. Unsere Beziehung zu Gott ist die Konstante in aller Unsicherheit, bei allen Veränderungen. Sie trägt uns durch die Zeit. Sie schafft Verbundenheit in aller Not. Sie lässt uns miteinander hoffen. Sie schafft Gemeinschaft, auch wenn wir weiterhin zueinander Distanz halten sollen. Zu Gott müssen wir nicht auf Abstand bleiben.
       So grüße ich Sie in dieser ungewissen Zeit mit einem irischen Segenswunsch: Und bis wir uns wiederseh’n, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

Ihre Pastorin Annegret Austen

Gemeindebrief Nr. 2 - 2020 | Juni bis August 2020

Pastor Raphael Below
Raphael Below

Pastor Below versteht Gott nicht

Ein sonniger Freitag im Januar. Ich sitze im Pfarrbüro in Oesselse. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Aber heute ist etwas anders als sonst, denn unser Sitzungsraum nebenan ist gefüllt mit Menschen, die sich eigentlich nicht häufig bei uns sehen lassen: Ehemalige Konfis. Letztes Jahr habe ich sie in Ingeln-Oesselse konfirmiert. Jetzt ist fast die ganze Gruppe hier und absolut motiviert bei der Arbeit. An die 140 Luftballons füllen sie mit Helium, mühen sich mit den Knoten ab und befestigen Schnüre an den bunten Ballons.
       So schön ich es finde, sie wieder um mich zu haben: Der Anlass dafür ist alles andere als erfreulich. Ein ehemaliger Mit-Konfirmand ist tödlich verunglückt. Alle sind wir fassungslos. Von einem Moment auf den anderen wurde das Leben eines lebensfrohen jungen Mannes beendet. In anderthalb Stunden ist seine Beerdigung. Dafür die Vorbereitungen im Nebenraum.
       Für mich ist es mit Abstand der schwerste Todesfall, den ich bisher begleitet habe. Wenn ein Mensch stirbt, ist das immer schwer. Für die, die ihn geliebt haben und nun ohne ihn weiter leben: Den Partner oder die Partnerin, die Kinder, Geschwister und Verwandten, die Freunde und Nachbarn des Verstorbenen. Wen wir geliebt haben, den vermissen wir, wenn er nicht mehr da ist. Und das tut weh. Manchmal sind da aber nicht nur Trennungsschmerz und Trauer. Manchmal sind da auch Unverständnis und Wut. Denn nicht immer ist es ein natürlicher Tod, der uns von einem geliebten Menschen trennt. Manchmal läuft auch etwas schief. Eine Diagnose ist falsch. Bei einer Operation unterläuft den Ärzten ein Fehler. Ein Verkehrsteilnehmer war unaufmerksam. Ein Unglück geschieht. Oft lassen sich solche Dinge auf menschliches Versagen zurückführen. Aber bei Todesfällen wie diesen fragen wir uns auch: Wie konnte Gott das zulassen? Wieso hat er nicht eingegriffen? Wollte er nicht? Konnte er nicht? Und was heißt das für unseren Glauben?
       Fragen, die ich heute auch stelle. Fragen, auf die ich keine Antwort habe. Fragen, die mir vor allem eines klar machen: dass ich Gott oft nicht verstehe. Dieses Wesen, das wir verehren, anbeten, besingen und lieben: Es ist mir manchmal auch ganz fremd. „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege.“, sagt Gott in Jesaja 55,8. Ein Satz, den ich heute nur bestätigen kann. Diese Erkenntnis ist schmerzhaft. Aber sie gehört zu unserem Glauben. Und ich glaube, sie ist wichtig. Denn sie macht uns vorsichtig und behutsam. Sie bewahrt uns davor, uns unseres Glaubens zu sicher zu sein. Zu meinen, dass wir Gott durchschauen und erklären könnten.
       Die Trauerfeier an diesem Freitag war wirklich eine traurige Feier. Aber sie war auch schön. So viele sind gekommen, um Abschied zu nehmen und ihre Anteilnahme zu zeigen. Am Ende haben wir die Luftballons verteilt und sie steigen lassen. Als letzten Gruß an den Verstorbenen. Als Gebet für ihn, den wir so vermissen. Ein paar Ballons sind leider im Baum hängen geblieben. Aber ich bin sicher, die Gebete haben ihr Ziel trotzdem erreicht.

Ihr Pastor Raphael Below

Gemeindebrief Nr. 1 - 2020 | März bis Mai 2020

Gebet Menschen Stillleben
Foto: urk_fentjer, www.foto-vom-fehn.de/index.php?/page/impressum

Gedanken zur Jahreslosung 2020

„Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.“ (Mt 17,20-21)
      „Glaube, der Berge versetzt“ – das ist sprichwörtlich geworden. Jesus hat das mal so zu seinen Jüngern gesagt, als sie nicht in der Lage gewesen waren, einem kranken Kind zu helfen. Jesus selbst hat einen solchen Glauben vorgelebt. Er hatte Berge in den Köpfen und Herzen von Menschen versetzt. Er konnte helfen, wo andere mit ihrem Glauben am Ende waren. Jesus – klar, der konnte das! Aber wer von uns hat schon einen solchen Glauben?
      Viel zu oft erleben wir schlimme Dinge: Freunde oder Verwandte werden krank, Menschen sterben auf tragische Weise, Gerechtigkeit wird mit den Füßen getreten, Menschen verhalten sich abscheulich zu einander. Das sind Erfahrungen, die unseren Glauben eher erschüttern. Sie machen es uns sehr schwer, an einen liebenden Gott zu glauben. Sie tragen eher zum Zweifel als zum Glauben bei: Meint Gott es wirklich gut mit uns? Gibt es Gott überhaupt? Warum greift er nicht ein?
      Jesus hätte sich über solche Fragen gewundert. Für ihn stand es außer Frage, dass Gott seine Geschöpfe liebt. Und an diesem Glauben hat er sein Leben lang festgehalten. Dabei hat er selbst unsägliches Leid erlebt und am eigenen Leib erfahren. Auf seiner Wanderschaft durch die Städte und Dörfer sind ihm unzählige Kranke, Ausgestoßene, Obdachlose und Verarmte begegnet. Sein eigenes Leben endete am Kreuz. Er starb geschmäht und geschunden, von allen verlassen und unter unsäglichen Schmerzen. Das alles aber konnte Jesu Glauben nicht erschüttern. Im Gegenteil, für alle Leidenden hatte er ein gutes, mutmachendes Wort; er schenkte ihnen neue Perspektiven und half ihnen, ihr Leid zu überwinden. Und selbst im eigenen Leid, vom Kreuz herab, betete er noch zu Gott um Vergebung für seine Peiniger. Er rief zu Gott in seiner Not, er hielt an Gott fest - ein unerschütterlicher Glaube! Schwer nachzuvollziehen, ein solcher Glaube. Und schwerer noch, selbst so fest zu glauben. Wie sollen wir das schaffen?
     „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Diese Bitte aus dem Markusevangelium ist als Jahreslosung für das Jahr 2020 vorgesehen. Es ist die Bitte eines Vaters, der sich von Jesus etwas erhofft: Heilung für sein schwer erkranktes Kind. Diese Bitte ist zugleich ein Zugeständnis, das Bekenntnis eines Menschen, der Leid erfährt und merkt, dass der eigene Glaube nicht ausreicht, um mit diesem Leiden umzugehen. Statt eines Berge-versetzenden Glaubens ist da ein Fünklein, eine sehnsüchtige Hoffnung, die uns sicherlich aus der Seele spricht: „Ich WILL ja glauben, ich WILL dir vertrauen, Gott. Aber ich schaffe es nicht. Hilf meinem Unglauben! Hilf mir, dir zu vertrauen!“
      Ich finde dieses Gebet bewegend ehrlich. Manchmal ist da einfach nicht mehr in uns drin – keine eigene Kraft mehr, keine Zuversicht, und schon gar nicht ein Glaube, der Berge versetzt. Aber vielleicht reicht in solchen Momenten bereits das sehnsüchtige Bekenntnis und die Bitte um Hilfe. In der Erzählung im Markusevangelium lässt Jesus den Vater und sein Kind nicht hängen. Die Bitte wird erhört.
      Jesus will uns Mut machen, den Glauben nicht aufzugeben – nicht etwa trotz der finsteren Täler des Lebens, sondern gerade weil der Glaube diese Täler erleuchten kann. Der Glaube ist eine Hilfe. Er tut uns gut. Er kann stärken und Mut machen. Und, ja, er kann Berge versetzen. Das hat nicht nur Jesus so erlebt. Das erleben unzählige Menschen seit Urzeiten.
      Vielleicht hilft uns diese Jahreslosung ja, den Anspruch für den eigenen Glauben nicht so hoch zu hängen, ihn aber auch nicht aufzugeben. Vielleicht steckt in dem ehrlichen Bekenntnis und der sehnsüchtigen Bitte ein Funke, der wieder ein Feuer entfachen kann. Lassen wir diesen Spruch im neuen Jahr doch mal auf uns wirken. Mal sehen, was er mit uns macht.

Ihr Pastor Yorick Schulz-Wackerbarth

Gemeindebrief Nr. 4 - 2019 | Dezember bis Februar 2020

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Text/Foto: Gemeindebriefredaktion

Gedanken zum Ewigkeitssonntag

Am Ende des Kirchenjahres laden wir die Angehörigen unserer Verstorbenen zum Gottesdienst am Ewigkeitssonntag ein. Totensonntag ist eine andere Bezeichnung. Aber mir ist Ewigkeitssonntag lieber. Denn dieser Name weißt uns darauf hin, dass wir unsere Lieben  in der Ewigkeit Gottes geborgen wissen dürfen. Wir denken an die Verstorbenen des zu Ende gehenden Kirchenjahres und zünden für jeden noch einmal eine Kerze an.
      Dieser besondere Sonntag gerät im Gemeindebrief meistens aus dem Blick, denn in den letzen Novembertagen, wenn wir diesen Gottesdienst feiern, halten Sie schon den nächsten Gemeindebrief in den Händen, in dem wir zu den Advent- und Weihnachtsgottesdiensten einladen.
      Doch in dieser Ausgabe will ich das tun, wozu uns der Apostel Paulus auffordert: Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden (Römer 12,15). Der Trauer will ich Raum geben. Es tut gut, so einen Tag zu haben, an dem das Gedenken an die Verstorbenen einen festen Ritus im Gottesdienst hat. Es tut gut, an diesem Tag noch einmal zu spüren, dass man mit seiner Trauer nicht allein ist. Es tut gut, seinen Schmerz im Gebet vor Gott zu bringen. Es tut gut, tröstende Gedanken aus der Bibel zu hören. Und da ist auch Raum für dankbare Erinnerungen. Da ist das Licht, das wir anzünden als Zeichen für unsere Hoffnung, dass mit dem Tod das Leben nicht zu Ende ist. Gott hat uns ein Leben in seiner Geborgenheit verheißen, in einer neuen Welt, die wir mit unserem Begreifen nicht fassen können. Es tut gut, so einen Tag des Trauerns und des Erinnerns und der Hoffnung zu haben.
      Viele Angehörige gehen an diesem Tag auf den Friedhof. Sie haben das Grab für die Winterzeit schön hergerichtet, es mit Tannengrün abgedeckt, ein Gesteck darauf gelegt. Der Friedhof ist ein Ort des Erinnerns, ein Ort, an dem sich viele ihren Lieben besonders nahe fühlen. Nicht nur am Ewigkeitssonntag. Der Friedhof ist auch ein Ort, an dem man seinen eigenen Frieden wiederfinden und zur Ruhe kommen kann. Nicht selten kommt es vor, dass Trauernde auf dem Friedhof bei der Pflege der Gräber ins Gespräch kommen. Da ist noch jemand, dem es ähnlich geht. Trauer kann auch Gemeinschaft stiften.
      Ich wünsche allen, die um ihre Lieben trauern, die Erfahrung, dass sich die Trauer im Laufe der Zeit verändert und sie sich in den Gedanken des Hl. Hieronymus wiederfinden: „Nicht trauern wollen wir, dass wir dich verloren haben, sondern dankbar sein, dass wir dich gehabt haben.“

Ihre Pastorin Annegret Austen

Gemeindebrief Nr. 3 - 2019 | September bis November

Gottesdienst Kirche Menschen
Foto: WiebkeOstermeier - (c)by www.lichtemomente.net BadNenndorf/Germany, Landeskirche Hannovers

Was durch den Brand von Notre-Dame verloren ging – und was nicht

Sie werden die Bilder gesehen haben, die Mitte April durch die Medien gingen.
      Dramatische Szenen spielen sich ab, als am 15. April das Gerüst auf dem Dach von Notre-Dame Feuer fängt und die weltberühmte Kathedrale zu brennen anfängt.
      Für viele Pariser wirken die folgenden Szenen wie aus einem Albtraum. Im Laufe der nächsten Stunden gehen der Dachstuhl und der 96 Meter hohe Vierungsturm in Flammen auf. Eines der bekanntesten Gotteshäuser der Welt – und gleichzeitig eine der größten Touristen-Attraktionen von Paris – wird durch den Brand und die Löscharbeiten weitestgehend zerstört. Welch ein Schaden, welch ein Verlust! Und auch wenn sofort Spendenzusagen in Millardenhöhe aus der ganzen Welt gemacht werden, um den Wiederaufbau zu sichern, ist die „Grande Nation“ tief getroffen. Zahlreiche Menschen versammeln sich in Paris und verfolgen das Inferno von weitem, viele singen, andere beten. Und auch ich bin fassungslos und traurig, obwohl ich leider noch keine Gelegenheit hatte, Notre-Dame zu besichtigen!
      Gleichzeitig steigt die Frage in mir auf: Warum trifft mich dieser Brand eigentlich so?
      Wenn ich ihr nachgehe, merke ich: Ich trauere um ein großartiges, außerordentlich geschichtsträchtiges und seit Jahrhunderten von Menschen „durchbetetes“ Gotteshaus. Ein Gebäude, für das Generationen von Baumeistern, Handwerkern und Künstlern ihr Bestes zu Gottes Ehre gegeben haben. So ein Verlust schmerzt, ganz unabhängig davon, ob ich einen persönlichen Bezug dazu habe oder nicht.
      Aber: Mein Glaube, meine Beziehung zu Gott hängt an keinem Gebäude.
      Die Worte, die König Salomo bei der Einweihung des Tempels spricht, gelten ebenso für jedes andere Kirchengebäude – auch für die unserer Gemeinde: „Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“ (1. Könige 8,27)
      Gott ist größer als dass ihn irgendeine Kirche dieser Welt fassen könnte. Um ihm zu begegnen benötigen wir keine Gebäude. Wir mögen an Kirchengebäuden hängen – unser Glaube tut es nicht.

Ihr Pastor Raphael Below

Gemeindebrief Nr. 2 - 2019 | Juni bis August

Grafik "Suche den Frieden"
Psalm 34, 15 -- Grafik: Gemeindebriefredaktion

Gedanken zur Jahreslosung 2019

Frieden – wer sucht den nicht? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die gerne und absichtlich in Unfrieden leben. Gewiss, aus Streit, Zwietracht, Feindschaften und Kriegen lassen sich durchaus auch Profit schlagen. Es gibt sie: Menschen, die Konflikte schüren, um daraus einen persönlichen Vorteil zu erzielen. Aber wollen die Hetzer, Aufrührer und Anstifter dieser Welt auch den Unfrieden im eigenen Leben? Wer möchte schon im Streit mit dem Ehepartner, der Familie, den Nachbarn, den ArbeitskollegInnen leben? Ich kann mir das nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die Unfrieden im eigenen Leben genießen.
      Den Frieden für uns selbst suchen wir sicher alle. Davon gehe ich aus. Warum bekommen wir das also nicht hin? Warum gibt es so viel Unfrieden? Warum gibt es so viel Streit und Ärger zwischen Menschen?
      Wir kennen das sicher aus dem eigenen Leben, wie sehr der Frieden manchmal am seidenen Faden hängt: ein falsches Wort und schon explodiert jemand, ein unachtsamer Gesichtsausdruck und schon gibt es Knatsch. Wir sind oft so leicht gereizt, schnell genervt, grundsätzlich unzufrieden und vielleicht auch unachtsam. Warum? Zu viel Stress. Zu viele Anforderungen. Zu viel, was einen beschäftigt. Mag sein. Vielleicht aber auch zu wenig Zeit für Reflexion, für ein Innehalten, für das Nachdenken und ein „Nachfühlen“ – „Introspektion“ nennt man das auch: die nach innen gerichtete Beobachtung, die dazu dient, das eigene Erleben, Fühlen und Verhalten zu betrachten, zu analysieren und daraus neue Selbsterkenntnisse zu gewinnen.
      Vielleicht nehmen wir uns aber auch nicht genügend Zeit für das Gebet. Das ist der Introspektion ähnlich, öffnet sich aber für einen weiteren Gesprächspartner: Gott. Einer der hört und spricht, wenn man ihm den Raum schenkt.
      Ich merke immer wieder, dass mir das gut tut, das Beten. Ich kenne das ja auch: Wenn ich gestresst bin, dann verbreite ich Unruhe, vielleicht sogar Unfrieden – selbst, wenn ich es gar nicht beabsichtige. Wenn ich ausgepowert bin, dann bringen mich Kleinigkeiten auf die Palme und die Menschen, mit denen ich es zu tun habe, kriegen es ab.
      Eine kleine Auszeit bewirkt da oft Wunder. Ein tiefes Durchatmen und ein Gebet. Eine Hinwendung zu Gott, dem Gott der Liebe und des Friedens; dem Gott, der mich kennt, aber eben auch meine Mitmenschen kennt und liebt. Das Gespräch mit Gott weitet den Blick, öffnet den Horizont, macht großzügiger und gelassener, denn Gott sieht meine Konflikte durch die Augen aller Beteiligten. Das ist eine unschätzbar wichtige Perspektive für das innere Gespräch. Dadurch wird die Introspektion, der Blick ins Innere, nämlich wieder zu einem Blick, der nach außen geht, ein Blick, der das große Ganze sieht, der sich aufschwingt zu dem liebenden Blick eines Vaters im Himmel, der seiner Schöpfung Frieden schenken will.
      Vielleicht muss die Suche nach dem Frieden mit dem Blick nach innen, der Suche nach dem eigenen inneren Frieden und dem Gebet beginnen. Ich sage nicht, dass damit alle Konflikte dieser Welt plötzlich verschwinden. Es wäre aber sicher ein guter Anfang. Und wenn Sie es nicht schaffen, Zeit für diesen Anfang in Ihrem Alltag zu finden, dann lade ich Sie ein, sich sonntags eine solche Auszeit zu gönnen. Genau dafür ist der Gottesdienst nämlich da: Er ist eine Auszeit mit Gott, eine Zeit für das Hineinhorchen in sich selbst und für das Gespräch mit Gott – ein Prozess, der Frieden verheißt. Nicht umsonst endet jeder Gottesdienst mit diesen Worten:

„Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir FRIEDEN“.

Ihr Pastor
Yorick Schulz-Wackerbarth

Gemeindebrief Nr. 1 - 2019 | März bis Mai

2018.09.01 Kigo-Wandertag Basteln Herz
Foto: Kristina Hennies

„Ich weiß gar nicht, was ich meinen Eltern zu Weihnachten schenken soll. Sie haben doch schon alles!“ Neulich hörte ich wieder diesen Satz. Und vielleicht geht es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in diesen ja Tagen ähnlich. Sie wollen Ihren Lieben eine Freude machen, sind aber noch auf der Suche nach einer guten Idee. Manch einer lässt sich im Internet inspirieren. Und nach ein paar Klicks ist dann für jeden etwas bestellt. Andere bummeln über die Weihnachtsmärkte, eilen durch die Geschäfte, finden in den Auslagen schließlich auch etwas, was dann hübsch verpackt unter den Gabentisch kommt. Und dann gibt es ja noch Gutscheine, die man überall erwerben kann. Such dir was aus, dann gefällt es dir wenigstens. Der eine oder andere Geldschein wechselt wohl auch zum Fest seinen Besitzer.
      Ja, es ist gar nicht mehr so einfach, ein passendes Geschenk zu finden. Sind die Menschen inzwischen so wunschlos glücklich, dass wir nicht mehr wirklich erahnen, was ihnen eine Freude machen würde? Sind wir dazu übergegangen, uns unsere Wünsche selber zu erfüllen? Gibt es da wirklich nichts mehr, was uns fehlt?
      Die jüngere Generation wird diesen Satz weit von sich weisen. Da kommen laufend neue Spielwaren auf den Markt, neue Handys, neue Mode, neue Computerspiele, ach, da gibt es so viel, was die Herzen höherschlagen lässt. Und die Hersteller und Händler reiben sich die Hände, weil das Weihnachtsgeschäft wieder mal gut läuft. Sich einander zum Weihnachtsfest eine Freude machen. Ist damit dieses Konsumschenken gemeint?
      Wir feiern Weihnachten die Geburt Jesu Christi. Bei diesem ersten Weihnachtsfest gab es ein besonderes Geschenk. Für alle Menschen. Da hat jemand gewusst, was der Menschheit fehlt und was ihr Herz erfreut. Gott reagiert auf die Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen. Nach einer besseren Welt. Nach Frieden. Nach Liebe. Nach einem Gott, der ihnen nahe ist. Darum wird er Mensch und macht sich selber zum Geschenk.
      Sich selber zum Geschenk machen. Können wir das auch? Wir können schenken, dass wir Zeit für unsere Lieben haben. Für unsere Kinder. Für unsere Eltern. Für unsere Freunde. Für die, die unsere Unterstützung brauchen. Wir können schenken, dass wir zuhören und gemeinsam im Album der Erinnerungen blättern. Wir können schenken, dass wir aufmerksam sind für ihre wirklichen Bedürfnisse, die, die sie sich selber nicht erfüllen können. Wir können schenken, dass wir zusammen Neues erleben und entdecken. Glauben Sie nicht auch, dass wir mit dieser Art zu schenken einander eine Freude machen, die dem Sinn von Weihnachten viel eher entspricht?

Ihre Pastorin Annegret Austen

Gemeindebrief Nr. 4 - 2018 | Dezember bis Januar 2019

Gebet Menschen Stillleben
Foto: urk_fentjer, www.foto-vom-fehn.de/index.php?/page/impressum

Und was Gott mit ihm gemeinsam hat

Eine der ersten Aktionen nach unserem Umzug in die Zwölf-Apostel Kirchengemeinde war, mich bei einem Fitnesscenter anzumelden. Für mich ist körperliche Betätigung ein hervorragendes Mittel, um den Kopf mal wieder frei zu bekommen. Neu ist, dass ich nun eine Trainerin habe.
      Na ja, eigentlich ist es nicht wirklich „meine“ Trainerin. Ich teile sie mir mit ungefähr zehn bis zwanzig MitstreiterInnen. Erstmals besuche ich nun nämlich einen Kurs. Einmal in der Woche treffen wir uns und treiben 60 Minuten lang Sport bis zum Umfallen. Im Prinzip läuft es wie beim Zirkeltraining: Nach einem kurzen Aufwärmen klappern wir verschiedene Stationen ab, an denen wir mit unserem eigenen Körpergewicht unterschiedliche Muskelpartien trainieren.
      Die wichtigste Person im Raum ist die Trainerin. Unsere ist eine von den guten. Sie gibt uns Signale, wann wir anfangen und aufhören sollen, sie korrigiert uns, wenn unsere Haltung mal nicht stimmt, und das Wichtigste: Sie feuert uns an! Ich finde es jedes Mal aufs Neue faszinierend, wie diese Frau es schafft, mehr aus mir heraus zu holen, als ich eigentlich für möglich halte. Wenn ich alleine trainiere, komme ich nach ca. fünfundzwanzig Liegestützen an meine Grenzen. Wenn unsere Trainerin vor mir steht und mich motiviert (meistens tut sie das, indem sie mich anschreit), schaffe ich tatsächlich noch fünf weitere. Ich gebe zu: Manchmal bringt sie mich auch wirklich zur Weißglut. Denn sie mutet mir mehr zu, als ich zu schaffen glaube. Sie bringt mich an meine Grenzen und darüber hinaus.

Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Jesaja 40,31

      Mit Gott ist es so ähnlich. Auch er bringt mich manchmal an meine Grenzen. Auch er fordert manchmal Dinge von mir, die meine Kräfte zu übersteigen scheinen. Aber wie ein guter Trainer lässt er mich nicht allein. Er stellt sich neben mich, fiebert mit mir und feuert mich an. Und wenn ich an mein Limit komme, gibt er mir neue Kraft. Ihm kann ich mich anvertrauen. Er ist ein guter Trainer.

Ihr Pastor Raphael Below

Gemeindebrief Nr. 3 - 2018 | September bis November

Die Frage nach der Wahrheit

2436 Lügen in 406 Tagen – seit Beginn seiner Präsidentschaft hat die Washington Post mitgezählt. Donald Trump hat einen notorischen Hang zu Unwahrheit. Das leugnen nicht einmal seine Befürworter. Eine schockierende Zahl! Und doch nur die Spitze eines Eisbergs der Halb- und Unwahrheiten, die derzeit im politischen und gesellschaftlichen Diskurs zirkulieren. Wie sehr hat sich in unserer Welt eine gewisse Selbstverständlichkeit breit gemacht, wenn „falsch Zeugnis“ geredet wird. Fake News und „alternative Fakten“ kursieren ohne Konsequenzen und ohne Rechenschaft. Das achte Gebot scheint heute nur noch wenig zu tangieren.
      „Was ist falsch Zeugnis?“ fragt Martin Luther in seinem „Kleinen Katechismus“ und antwortet darauf: „Alles, was wider die Wahrheit geredet oder gehandelt wird“. Aber was ist Wahrheit? Das fragte bereits der Statthalter Pontius Pilatus, als er Jesus verhörte. „Was ist schon Wahrheit“ – eine Haltung der Indifferenz oder Resignation, die auch heute weit verbreitet ist. Gibt es überhaupt so etwas wie „Wahrheit“? Ist nicht jede Wahrheit relativ? Hast nicht du deine Wahrheit und ich meine Wahrheit, und so lange wir beide fühlen, dass es wahr ist, dann ist es für uns auch wahr. Keiner hat mir da reinzureden in meine Wahrheiten! Es gibt doch ohnehin keine objektiven Standpunkte, keinen Blick auf das Ganze von außen. Warum sollte dann nicht jeder in seiner Gefühlswelt des Wissens leben, seiner persönlichen Wahrheit, die dem Bauchgefühl entspricht. Und habe ich nicht auch das Recht, diese, meine Meinung jederzeit und überall zu verbreiten? Freie Meinungsäußerung – ein Grundrecht und Basis unserer Demokratie. Meinungen, die sind wichtig! Was ist da schon Wahrheit?
      Die Bibel hat darauf eine Antwort. Im Johannesevangelium spricht Jesus folgende Worte: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Als Christinnen und Christen suchen wir die Wahrheit bei dem, der seinen Willen nicht mit Gewalt, nicht mit Aggressivität, Hinterlist, Betrug oder Lüge durchgesetzt hat, sondern der für seine Botschaft von der Liebe ans Kreuz gegangen ist. Das ist eine völlig andere Vorstellung von Wahrheit, als wir es gewohnt sind: Wahrheit hat normalerweise etwas mit Macht zu tun. Wer die „Wahrheit“ kontrolliert, der gibt den Ton an. Derjenige, dessen Wahrheit sich durchsetzt, macht sich zur Autorität dieser Wahrheit.
      Aber Jesus hat keinem seine Wahrheit aufgezwängt. Er hat keinen angeschrien oder mit seiner Meinung niedergemacht. Jesus hat seine Wahrheit gelebt, konsequent, … wahrhaftig … bis in den Tod. Seine Wahrheit ist kein Machtinstrument, seine Wahrheit beinhaltet den Grundsatz: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ (Mt. 7,1). Diese Wahrheit, die der Weg zum Vater ist, ist eine Wahrheit des „Lassens“: die Machtspiele lassen; unser Ego lassen; von der Besessenheit lassen, mit der eigenen Meinung immer gewinnen zu müssen, oder den anderen mit der eigenen Wahrheit klein machen zu wollen. Lassen … und Gott vertrauen – Gottes Wirken überhaupt erst Raum zu geben, indem wir davon lassen, selbst alles und alle anderen kontrollieren zu wollen. Denn erst wenn wir das lernen, Gott wirken zu lassen und seiner Wahrheit Raum zu schenken, erst dann machen wir wahrhaft ernst mit unserem Glauben. „Wenn ihr nur Glauben hättet wie ein Senfkorn, dann könntet ihr Berge versetzen“, sagt Jesus. Vielleicht ändert sich ja wirklich alles, wenn wir Gott, der die Liebe ist, wirken lassen würden in unserem Leben. Das ist natürlich in unserer Welt gar nicht so leicht. Aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt, sich immer wieder auf diese Wahrheit unseres Glaubens einzulassen.

Ihr Pastor Yorick Schulz-Wackerbarth

Gemeindebrief Nr. 2 - 2018 | Juni bis August

Kreuz Menschen Stillleben Trauer
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Gedanken in der Passionszeit

Neulich im Theater. Ein Stück von Arthur Miller. Hexenjagd. Kannte ich vorher nicht. Wie ich im Programmheft lesen konnte, basiert das Stück auf wahren Vorkommnissen um 1692 in Salem im heutigen US- Bundesstaat Massachusetts. Aufgrund von Falschaussagen einiger junger Mädchen, die so ihrer Strafe für verbotenes Treiben entgehen wollen, kommen 300 Menschen ins Gefängnis, werden 30 zum Tode verurteilt, 19 gehenkt. Vorgeworfen werden ihnen okkulte Handlungen, Hexerei, Geisterbeschwörung, vom Teufel besessen zu sein. Während der Gerichtsverhandlung kommen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Mädchen auf. Aber die Eitelkeit des Richters und seine Unfähigkeit, als Autoritätsperson einen Irrtum einzugestehen, machen es ihm unmöglich, das Aburteilen unschuldiger Bürger zu beenden. Soweit zum Stück.
      Ich bin sehr nachdenklich an diesem Abend. Alles nur Theater? Nein, es gibt eben die Parallelen in der realen Welt. Nicht nur in Salem 1692. Auch gut dreihundert Jahre später werden Menschen denunziert, ans Messer geliefert, um den eigenen Kopf zu retten, um abzulenken von den eigenen Fehlern. Da gibt es Säuberungsaktionen, da verschwinden rechtschaffene Bürger in Gefängnissen, werden angeklagt an Revolutionen beteiligt zu sein, die das eigene Machtgefüge zum Einsturz bringen würden. Da ist man zu stolz, um Fehler einzugestehen, da zählt das Amt mehr als das Recht. Nachdenklich bin ich und überlege, wieviel Leid auch durch Rechthaberei der Religionen über Menschen gekommen ist.
      Ich merke, dass ich nicht so recht empört sein kann, denn ich bin mir nicht sicher, wie ich mich selber verhalten hätte, ob ich die nötige Courage einbringen könnte, wenn mein Leben, meine Freiheit, meine Zukunft auf dem Spiel stünde. In dieser Nachdenklichkeit kommen mir die Worte Jesu am Kreuz in den Sinn: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Am Ende aller Fehler, aller Ängste, aller Schuld steht das große Erbarmen unseres Gottes. Jesus legt ein Wort ein für die, die ihn peinigen. Kann das zur Umkehr, zur Einsicht führen? Einen Irrtum einzugestehen ist kein Zeichen von Schwäche, und wenn dadurch weiteres Unheil verhindert werden kann allemal. Leid verhindern durch Aufrichtigkeit. Ja, das könnte ein Motto für die Passionszeit sein. Sieben Wochen Gradlinigkeit. Sieben Wochen nicht kneifen vor der Wahrheit. Aber warum eigentlich nur sieben Wochen?

Ihre Pastorin Annegret Austen

Gemeindebrief Nr. 1 - 2018 | März bis Mai