2026
(Juni 2026)
Ich reise sehr gerne, inzwischen meistens mit meinem Mann und manchmal stöhnt er auf, wenn ich schon wieder stehen bleibe, um ein Foto zu machen beim Spazierengehen durch alte Gassen, denn dort finden sich oft wunderschöne Unikate. Unikate, die eine Geschichte erzählen von Handarbeit und viel Hingabe. Ich rede von Türen, meistens keine Zimmertüren, wobei das nicht ausgeschlossen ist, aber in der Regel Haustüren. Besonders bei älteren Häusern erzählen sie oft ihre ganz eigene Geschichte. Einige haben große Muster und Schnitzereien, andere verschiedene Farbkombinationen und Malereien, wieder andere sind total schlicht, aber dafür mit einem feinen Detail wie einem besonderen Türknauf. Ich werde oft dafür belächelt diese Türen festzuhalten und doch tue ich es nach wie vor. Mich fasziniert vieles daran und manchmal vergesse ich sogar, dass ich (meistens) nicht alleine unterwegs bin.
Mich bringen diese Türen ins Nachdenken, was andere Menschen vor und hinter der Tür wohl erlebt haben, was diese Türen uns erzählen würden, welchem Sturm sie Stand gehalten haben oder auch nicht alles abhalten konnten.
Einige Fotos von Türen sind hier mit abgedruckt. Welche Geschichte erzählen sie? Was fällt auf, was sticht heraus?
Wenn ich wieder zu Hause bin, auf den Urlaub zurückblicke und durch die Fotos gucke, frage ich mich:
Wie oft stehe ich vor einer Tür, klopfe oder klingel, und sie wird geöffnet? Wie oft stehe ich auch vor verschlossenen Türen?
Wie begegnen uns Menschen an der Tür und wie ich ihnen? Ich, für mich, möchte, dass Menschen sich willkommen fühlen, wenn sie bei uns zu Hause klingeln und ich öffne – egal, ob es der Pizza-Bringdienst, ein unbekannter Mensch, der Nachbar mit einer Bitte oder eine gute Freundin bei einer Verabredung ist.
Und so ist es auch im Büro, meine Tür ist nie ganz zu. Sie ist immer mindestens einen Spalt offen, für Gespräche, Anregungen oder verrückte Ideen.
Bis bald, bleiben Sie gesund und behütet
> Diakonin Hannah Stolzenburg

Fotos/Kollage: Hannah Stolzenburg / Gemeindebriefredaktion
Gemeindebrief Nr. 2 - 2026 | Juni 2026 bis August 2026
(März 2026)
Manches dauert länger, als einem lieb ist. Mindestens zwei oder drei Monate sollte man also rechnen, bis etwas Neues zur Gewohnheit wird. Der Jahreswechsel ist jetzt bald acht Wochen her, wenn Sie diese Sätze lesen. – Was ist geblieben? Mehr Sport, mehr sparen, gesünder essen? Mit dem neuen Jahr verbindet sich immer wieder die Hoffnung, dass nicht alles beim Alten bleibt. Was sonst zu schwer wirkt, findet vom 31. Dezember auf den 1. Januar den Punkt, ab dem es anders werden könnte.
Aber was ist heute aus den guten Vorsätzen geworden? Was ist heute Routine und was vielleicht schon wieder im Sand verlaufen? – Das Gute: Wenn sie schon verschwunden sind, ist damit wenigstens niemand von uns allein: Die meisten Vorsätze, Wünsche und Pläne schaffen es laut Umfragen kaum bis heute. Auch wenn der Vorsatz vielleicht anfangs noch so gut und leicht erschien.
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“
(Offenbarung 21,5)
Das ist die Jahreslosung für dieses Jahr. Aber der Satz ist mehr als nur ein guter Vorsatz für eine Zeit, in der die Welt an so vielen Ecken und Enden immer weiter auseinandertreibt. Einmal alles neu: Das ist die Sehnsucht, wo Krisen und Kriege den Alltag bestimmen. Wenn nicht jetzt: wann dann? Wenn nicht da: wo sonst? Notwendig wäre es, dass das, was Leben zerstört, endlich aufhört, damit einmal alles neu wird.
Aber dieser Vers aus dem Neuen Testament ist kein Versprechen für den Moment und auch nicht für unsere Zukunft. Er stammt aus dem 21. Kapitel der Offenbarung, wo Johannes eine ganz andere Zukunft vor Augen hat. Das ist eine Zeit, die ganz und gar von Gott kommt. Er verändert nicht nur eben schnell den Lauf der Welt. Diese Zukunft ist kein Moment im Kreislauf zwischen den Jahren, so wie in jedem Frühling der Mai auch wieder „alles neu macht“.
„Und Gott wird abwischen
alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid noch Geschrei noch Schmerz
wird mehr sein; denn das erste ist vergangen.“
(Offenbarung 21,4)
So heißt es im Vers vorher. Die Nähe Gottes wird einmal alles verändern, das bis dahin noch bleibt. Das ist keine Anleitung, was zu tun wäre, damit alles gut wird. – „Siehe, ich mache alles neu!“ – Das ist Gottes Verheißung. Es ist sein Versprechen. Aber bis dahin müssen weiter Fragen ohne Antwort bleiben und manches wird nie Sinn ergeben. Aber der Glaube an Gott und das Vertrauen in seine Zukunft können die Kraft und Perspektive geben, das Schwere auszuhalten und auch weiter dagegen zu protestieren.
Als Mensch können wir, ob gemeinsam oder allein, nie alles verändern. Aber wer glaubt, findet sich mit dem Zustand der Welt nicht einfach ab. Und wir können darauf hinarbeiten, dass die Tränen weniger werden: überall, wo Menschen Hilfe erfahren. Wo ein Neuanfang zur Chance wird und wir gemeinsam Zukunft gestalten, ob in großen Aktionen oder kleinen Gesten. Oft passiert das unbemerkt und manchmal auch ganz bewusst. Das sind Alltagsmomente oder soziale Projekte: Wo immer also Menschen ein offenes Ohr und ein Herz für das finden, was sie traurig macht.
Damit ist am Ende nicht alles in dieser Welt auf einmal „neu“. Aber die Einsicht in die eigenen Grenzen kann Möglichkeiten sichtbar werden lassen und freisetzen, damit erste Schritte auf dem Weg zu einer neuen Welt gegangen werden. Und dafür braucht es keine guten Vorsätze – aber das ganze Jahr ein Vertrauen, dass jede Grenze einmal überwunden wird.
Pastor Christoph Tödter
Gemeindebrief Nr. 1 - 2026 | März 2026 bis Mai 2026
