2026
(September 2026)
Es ist schon ein paar Jahre her: »Bitte, bitte gib nur ein Wort«, haben Wir sind Helden da gesungen. »Oh, bitte gib mir, bitte, bitte, gib mir nur ein Wort«. Und manchmal reicht tatsächlich nur ein Wort und alles ist gesagt. So wie mit diesem einen Wort aus der Überschrift: Seelenanker. Es ist ein wunderbares und vielschichtiges Wort, auch wenn es das eigentlich nicht gibt.
Sucht man es im Duden, findet man zwischen »Seelenangst « und »Seelenarzt« sonst nichts. Auch im digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache sieht es nicht anders aus. Aber mir ist das Wort seit dem letzten Advent im Sinn geblieben, als ich es das erste Mal gelesen habe. Der ungewohnte Klang des neuen Wortes aus den zwei bekannten Worten hat sich irgendwie verfangen. Zusammengenommen beschreiben sie das, was sonst fehlt. Der Seelenanker lenkt die Gedanken auf das Gute und Schöne, zwischen Seelenangst und -arzt. Das Wort erinnert mich an das, was Kraft und Hoffnung geben will. Aber weil es das Wort eigentlich nicht gibt, lässt es die Phantasie so herrlich kreisen auf Bedeutungssuche: Was ist also mein Seelenanker?
Ein Seelenanker ist mehr als Sekundenglück. Es ist nicht nur dieser eine schöne Moment im letzten Sommer. Das sind nicht nur zeitlose Ferientage, Schokolade oder blauer Himmel, denn dafür reicht ein Anker viel zu tief – am Ende bis auf den Grund. Sondern es ist das, was wirklich letzten Halt gibt, wenn die Wellen immer höher schlagen und was selbst dem stärksten Wind standhält. Hier kann sich die Seele fangen, zwischen Sorgen und den großen Lebensfragen.
Die Hoffnung haben wir
als einen festen Anker
für die Seele.
(Hebräerbrief 6,19)
An ihr trotz allem festzuhalten, auch wenn es nicht leicht ist: Vielleicht ist das der Unterschied, den wir als Christinnen und Christen immer wieder machen können. Die Hoffnung also als Anker für die Seele. Das ist das Vertrauen, das diese Welt eine Zukunft hat, auch wenn es manchmal schwer ist, sie sich vorzustellen. Zwischen Streit und Missverständnissen, zwischen Kriegen und Konflikten. Dann verändert sich auch immer mehr, ohne dass klar ist, was stattdessen wird. – Aber es wird anders. – Das ist nicht leicht, weil sich einiges dabei auch verliert. Aber es wird: Etwas ist immer im Werden und diese Hoffnung soll uns bleiben. Das zeigt uns das Kreuz, das in der Mitte steht. Das Kreuz ist ein Symbol für jeden neuen Anfang und für Hoffnung.
Also wird die Hoffnung zum Anker für die Seele, selbst wenn das erst ein großer Gedanke bleibt. Aber sie kann sich ganz klein und unscheinbar bahnbrechen: ein Seelenanker sind für mich dann Menschen, die Hoffnung und Vertrauen mit Leben füllen und mir weiterschenken. Aber das sind auch Orte und Zeiten, an denen ich anhalten und aufatmen kann und wo schon die Erinnerung daran guttut. Ein Seelenanker ist für mich ein Grund für Möglichkeit!
Wir wissen nicht immer, was wird und das macht manches manchmal vielleicht erst kompliziert: Aber lassen Sie uns gemeinsam an diesem Anker festhalten und in seinem Segen weitergehen.
Bleiben Sie behütet,
> Pastor Christoph Tödter

Foto: Eszter Miller auf pixabay
Gemeindebrief Nr. 3 - 2026 | September 2026 bis November 2026
(Juni 2026)
Ich reise sehr gerne, inzwischen meistens mit meinem Mann und manchmal stöhnt er auf, wenn ich schon wieder stehen bleibe, um ein Foto zu machen beim Spazierengehen durch alte Gassen, denn dort finden sich oft wunderschöne Unikate. Unikate, die eine Geschichte erzählen von Handarbeit und viel Hingabe. Ich rede von Türen, meistens keine Zimmertüren, wobei das nicht ausgeschlossen ist, aber in der Regel Haustüren. Besonders bei älteren Häusern erzählen sie oft ihre ganz eigene Geschichte. Einige haben große Muster und Schnitzereien, andere verschiedene Farbkombinationen und Malereien, wieder andere sind total schlicht, aber dafür mit einem feinen Detail wie einem besonderen Türknauf. Ich werde oft dafür belächelt diese Türen festzuhalten und doch tue ich es nach wie vor. Mich fasziniert vieles daran und manchmal vergesse ich sogar, dass ich (meistens) nicht alleine unterwegs bin.
Mich bringen diese Türen ins Nachdenken, was andere Menschen vor und hinter der Tür wohl erlebt haben, was diese Türen uns erzählen würden, welchem Sturm sie Stand gehalten haben oder auch nicht alles abhalten konnten.
Einige Fotos von Türen sind hier mit abgedruckt. Welche Geschichte erzählen sie? Was fällt auf, was sticht heraus?
Wenn ich wieder zu Hause bin, auf den Urlaub zurückblicke und durch die Fotos gucke, frage ich mich:
Wie oft stehe ich vor einer Tür, klopfe oder klingel, und sie wird geöffnet? Wie oft stehe ich auch vor verschlossenen Türen?
Wie begegnen uns Menschen an der Tür und wie ich ihnen? Ich, für mich, möchte, dass Menschen sich willkommen fühlen, wenn sie bei uns zu Hause klingeln und ich öffne – egal, ob es der Pizza-Bringdienst, ein unbekannter Mensch, der Nachbar mit einer Bitte oder eine gute Freundin bei einer Verabredung ist.
Und so ist es auch im Büro, meine Tür ist nie ganz zu. Sie ist immer mindestens einen Spalt offen, für Gespräche, Anregungen oder verrückte Ideen.
Bis bald, bleiben Sie gesund und behütet
> Diakonin Hannah Stolzenburg

Fotos/Kollage: Hannah Stolzenburg / Gemeindebriefredaktion
Gemeindebrief Nr. 2 - 2026 | Juni 2026 bis August 2026
(März 2026)
Manches dauert länger, als einem lieb ist. Mindestens zwei oder drei Monate sollte man also rechnen, bis etwas Neues zur Gewohnheit wird. Der Jahreswechsel ist jetzt bald acht Wochen her, wenn Sie diese Sätze lesen. – Was ist geblieben? Mehr Sport, mehr sparen, gesünder essen? Mit dem neuen Jahr verbindet sich immer wieder die Hoffnung, dass nicht alles beim Alten bleibt. Was sonst zu schwer wirkt, findet vom 31. Dezember auf den 1. Januar den Punkt, ab dem es anders werden könnte.
Aber was ist heute aus den guten Vorsätzen geworden? Was ist heute Routine und was vielleicht schon wieder im Sand verlaufen? – Das Gute: Wenn sie schon verschwunden sind, ist damit wenigstens niemand von uns allein: Die meisten Vorsätze, Wünsche und Pläne schaffen es laut Umfragen kaum bis heute. Auch wenn der Vorsatz vielleicht anfangs noch so gut und leicht erschien.
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“
(Offenbarung 21,5)
Das ist die Jahreslosung für dieses Jahr. Aber der Satz ist mehr als nur ein guter Vorsatz für eine Zeit, in der die Welt an so vielen Ecken und Enden immer weiter auseinandertreibt. Einmal alles neu: Das ist die Sehnsucht, wo Krisen und Kriege den Alltag bestimmen. Wenn nicht jetzt: wann dann? Wenn nicht da: wo sonst? Notwendig wäre es, dass das, was Leben zerstört, endlich aufhört, damit einmal alles neu wird.
Aber dieser Vers aus dem Neuen Testament ist kein Versprechen für den Moment und auch nicht für unsere Zukunft. Er stammt aus dem 21. Kapitel der Offenbarung, wo Johannes eine ganz andere Zukunft vor Augen hat. Das ist eine Zeit, die ganz und gar von Gott kommt. Er verändert nicht nur eben schnell den Lauf der Welt. Diese Zukunft ist kein Moment im Kreislauf zwischen den Jahren, so wie in jedem Frühling der Mai auch wieder „alles neu macht“.
„Und Gott wird abwischen
alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid noch Geschrei noch Schmerz
wird mehr sein; denn das erste ist vergangen.“
(Offenbarung 21,4)
So heißt es im Vers vorher. Die Nähe Gottes wird einmal alles verändern, das bis dahin noch bleibt. Das ist keine Anleitung, was zu tun wäre, damit alles gut wird. – „Siehe, ich mache alles neu!“ – Das ist Gottes Verheißung. Es ist sein Versprechen. Aber bis dahin müssen weiter Fragen ohne Antwort bleiben und manches wird nie Sinn ergeben. Aber der Glaube an Gott und das Vertrauen in seine Zukunft können die Kraft und Perspektive geben, das Schwere auszuhalten und auch weiter dagegen zu protestieren.
Als Mensch können wir, ob gemeinsam oder allein, nie alles verändern. Aber wer glaubt, findet sich mit dem Zustand der Welt nicht einfach ab. Und wir können darauf hinarbeiten, dass die Tränen weniger werden: überall, wo Menschen Hilfe erfahren. Wo ein Neuanfang zur Chance wird und wir gemeinsam Zukunft gestalten, ob in großen Aktionen oder kleinen Gesten. Oft passiert das unbemerkt und manchmal auch ganz bewusst. Das sind Alltagsmomente oder soziale Projekte: Wo immer also Menschen ein offenes Ohr und ein Herz für das finden, was sie traurig macht.
Damit ist am Ende nicht alles in dieser Welt auf einmal „neu“. Aber die Einsicht in die eigenen Grenzen kann Möglichkeiten sichtbar werden lassen und freisetzen, damit erste Schritte auf dem Weg zu einer neuen Welt gegangen werden. Und dafür braucht es keine guten Vorsätze – aber das ganze Jahr ein Vertrauen, dass jede Grenze einmal überwunden wird.
Pastor Christoph Tödter
Gemeindebrief Nr. 1 - 2026 | März 2026 bis Mai 2026
