2026
(März 2026)
Manches dauert länger, als einem lieb ist. Mindestens zwei oder drei Monate sollte man also rechnen, bis etwas Neues zur Gewohnheit wird. Der Jahreswechsel ist jetzt bald acht Wochen her, wenn Sie diese Sätze lesen. – Was ist geblieben? Mehr Sport, mehr sparen, gesünder essen? Mit dem neuen Jahr verbindet sich immer wieder die Hoffnung, dass nicht alles beim Alten bleibt. Was sonst zu schwer wirkt, findet vom 31. Dezember auf den 1. Januar den Punkt, ab dem es anders werden könnte.
Aber was ist heute aus den guten Vorsätzen geworden? Was ist heute Routine und was vielleicht schon wieder im Sand verlaufen? – Das Gute: Wenn sie schon verschwunden sind, ist damit wenigstens niemand von uns allein: Die meisten Vorsätze, Wünsche und Pläne schaffen es laut Umfragen kaum bis heute. Auch wenn der Vorsatz vielleicht anfangs noch so gut und leicht erschien.
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“
(Offenbarung 21,5)
Das ist die Jahreslosung für dieses Jahr. Aber der Satz ist mehr als nur ein guter Vorsatz für eine Zeit, in der die Welt an so vielen Ecken und Enden immer weiter auseinandertreibt. Einmal alles neu: Das ist die Sehnsucht, wo Krisen und Kriege den Alltag bestimmen. Wenn nicht jetzt: wann dann? Wenn nicht da: wo sonst? Notwendig wäre es, dass das, was Leben zerstört, endlich aufhört, damit einmal alles neu wird.
Aber dieser Vers aus dem Neuen Testament ist kein Versprechen für den Moment und auch nicht für unsere Zukunft. Er stammt aus dem 21. Kapitel der Offenbarung, wo Johannes eine ganz andere Zukunft vor Augen hat. Das ist eine Zeit, die ganz und gar von Gott kommt. Er verändert nicht nur eben schnell den Lauf der Welt. Diese Zukunft ist kein Moment im Kreislauf zwischen den Jahren, so wie in jedem Frühling der Mai auch wieder „alles neu macht“.
„Und Gott wird abwischen
alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid noch Geschrei noch Schmerz
wird mehr sein; denn das erste ist vergangen.“
(Offenbarung 21,4)
So heißt es im Vers vorher. Die Nähe Gottes wird einmal alles verändern, das bis dahin noch bleibt. Das ist keine Anleitung, was zu tun wäre, damit alles gut wird. – „Siehe, ich mache alles neu!“ – Das ist Gottes Verheißung. Es ist sein Versprechen. Aber bis dahin müssen weiter Fragen ohne Antwort bleiben und manches wird nie Sinn ergeben. Aber der Glaube an Gott und das Vertrauen in seine Zukunft können die Kraft und Perspektive geben, das Schwere auszuhalten und auch weiter dagegen zu protestieren.
Als Mensch können wir, ob gemeinsam oder allein, nie alles verändern. Aber wer glaubt, findet sich mit dem Zustand der Welt nicht einfach ab. Und wir können darauf hinarbeiten, dass die Tränen weniger werden: überall, wo Menschen Hilfe erfahren. Wo ein Neuanfang zur Chance wird und wir gemeinsam Zukunft gestalten, ob in großen Aktionen oder kleinen Gesten. Oft passiert das unbemerkt und manchmal auch ganz bewusst. Das sind Alltagsmomente oder soziale Projekte: Wo immer also Menschen ein offenes Ohr und ein Herz für das finden, was sie traurig macht.
Damit ist am Ende nicht alles in dieser Welt auf einmal „neu“. Aber die Einsicht in die eigenen Grenzen kann Möglichkeiten sichtbar werden lassen und freisetzen, damit erste Schritte auf dem Weg zu einer neuen Welt gegangen werden. Und dafür braucht es keine guten Vorsätze – aber das ganze Jahr ein Vertrauen, dass jede Grenze einmal überwunden wird.
Pastor Christoph Tödter
Gemeindebrief Nr. 1 - 2026 | März 2026 bis Mai 2026
